Sie tauchten lautlos auf. Zuerst war da nur Bewegung im Augenwinkel, dann wurde aus dem Schatten ein Moment, der sich nicht planen lässt.
Sebastian Klugstedt hängt rund acht Meter unter der Wasseroberfläche, schwerelos über einem Korallenriff in Ägypten. „Nur Stille“, erinnert er sich. Kleine Fische beobachten ihn aus ihren Verstecken. Dann passiert es: Eine Delfinmutter gleitet heran, ihr Junges an ihrer Seite, zwei bis drei Meter Abstand. Sie bewegen sich langsam vorbei. „Das war ein zauberhafter Moment“, sagt der Oer-Erkenschwicker.
Sebastian Klugstedt ist Apnoetaucher, jemand, der ohne Sauerstoffflasche unter Wasser in die Tiefe geht. Angefangen hat alles mit 14 Jahren im Familienurlaub. „Beim Schnorcheln verlor mein Vater eine Flosse, die etwa zehn Meter tief sank. Ich tauchte hinab und holte sie wieder hoch. Ich dachte, wegen der Umwelt kann man das da unten nicht liegen lassen“, erinnert sich der heute 40-Jährige. Damit begann seine Leidenschaft fürs Tauchen.
Apnoetauchen ist Training über Jahre. Sebastian beschreibt es als präzise Arbeit am eigenen Körper. Er arbeitet professionell mit CO2- und O2-Tabellen, um seine Atemzeiten gezielt zu verlängern und den Körper an Belastung zu gewöhnen. „Am Anfang geht es um einfache Übungen, zum Beispiel zwei Minuten Luft anhalten, dann wiederholen. Mit der Zeit werden die Pausen verkürzt und so die Belastung erhöht“, erklärt der Profi.
Der Atemreiz entsteht im Körper nicht nur durch fehlenden Sauerstoff, sondern vor allem durch steigendes Kohlendioxid. Man muss den Körper daran gewöhnen, diesen Reiz auszuhalten, ohne in Stress zu geraten. „Wichtig ist, nie allein zu trainieren. Sobald es tiefer geht, braucht man Sicherungstaucher mit Erfahrung.“
Gelernte Technik
Auch der Druckausgleich spielt eine zentrale Rolle. Dafür gibt es verschiedene Techniken, vom einfachen Ausgleich über die Nase bis hin zu fortgeschrittenen Methoden wie der Frenzel-Technik, die nur wenige wirklich beherrschen. „Manche arbeiten sogar mit sehr speziellen Muskeltechniken, die jahrelanges Training erfordern.“
Sein Wissen gibt er heute als Lehrer weiter und trainiert andere Apnoetaucher. Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern vor allem um Sicherheit, Atemkontrolle und den richtigen Umgang mit der Belastung unter Wasser. Viele seiner Teilnehmenden beginnen ganz am Anfang und lernen Schritt für Schritt, wie man sich dem Apnoetauchen nähert.
Die Teilnehmer kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen, etwa aus der Bundeswehr, dem Lehrberuf oder der IT. Gemeinsam ist ihnen das Interesse am Tauchen.
Trainiert wird in Seen und Kanälen im Ruhrgebiet, manchmal auch im Sauerland in Tiefen bis etwa 45 Meter. Vor dem praktischen Teil steht immer die Theorie.
Unterwasserwelt
Heute taucht Sebastian Klugstedt bis etwa 60 Meter Tiefe ohne Flasche. Rekorde spielen für ihn aber keine Rolle. Es geht ihm darum, länger unter Wasser sein zu können und mehr Zeit in der Unterwasserwelt zu verbringen. Denn wenn Sebastian erklärt, warum er taucht, wird er nachdenklich und schwelgt in Erinnerungen. „Es geht um die Erfahrung, mit Tieren zu interagieren, ohne sie zu stören, und um das Gefühl, Teil einer Welt zu sein, die normalerweise unerreichbar bleibt. Man legt sich auf den Sandboden und sieht, wie die Fische aus den Korallen hervorkommen.“ Und manchmal, wenn alles stimmt, tauchen eben auch Delfine auf.