Svenja (16) engagiert sich landespolitisch für Jugendliche in Wohngruppen.
Svenja hat früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen – für sich selbst und inzwischen auch für andere. Wenn Svenja spricht, vergisst man leicht, wie jung sie ist. Sie wirkt reflektiert und erstaunlich souverän. Die 16-Jährige lebt in der Mädchenwohngruppe in Oer-Erkenschwick. Acht junge Frauen teilen sich dort den Alltag und werden dabei betreut. Für Svenja ist diese Wohngruppe mehr als nur ein Wohnort. Sie ist auch Ausgangspunkt für ihr politisches Engagement auf Landes- und Bundesebene. Denn Svenja ist Teil der JVJ „Jugend vertritt Jugend NRW“, der landesweiten Interessenvertretung von Jugendlichen. Rund 40.000 junge Menschen in Wohngruppen in Nordrhein-Westfalen werden hier vertreten. „Wir sind quasi der Bundestag der Jugendlichen aus Wohngruppen“, sagt Svenja und lacht.
Der Weg in die JVJ begann mit einem Steckbrief, der an Wohngruppen in ganz NRW verschickt wurde. Die Jugendlichen wählten ihre Vertreterinnen und Vertreter selbst. Auch Svenja wurde NRW-weit gewählt. Seitdem treffen sich die Jugendlichen regelmäßig, online oder in Präsenz. Sie diskutieren Themen, die ihren Alltag unmittelbar betreffen: Taschengelderhöhungen, finanzielle Unterstützung bei der Erstausstattung für die erste eigene Wohnung, aber auch die Stigmatisierung von Jugendlichen aus Wohngruppen. „Viele wissen gar nicht, wie sich das anfühlt oder was wir uns wünschen“, sagt Svenja. Genau das will sie ändern.
Gehört werden
Was alle Forderungen verbindet, bringt Svenja klar auf den Punkt: Gehört werden. „Das ist unsere Oberkategorie. Wir wollen, dass unsere Stimme ernst genommen wird.“ In Gruppenseminaren, bei Vorstellungsrunden und auf landes- und bundesweiten Treffen sammelt die JVJ Themen, prüft, was machbar ist, und versucht, konkrete Veränderungen anzustoßen. Ein Höhepunkt ist das Bundestreffen, das in diesem Jahr in Schleswig-Holstein stattfindet. Dort arbeiten die Jugendlichen mit offenen Themenräumen, tauschen Erfahrungen zwischen den Bundesländern aus und lernen unterschiedliche Arbeitsweisen kennen. Svenjas eigenes Leben war alles andere als leicht. Ihre Mutter ist gestorben, der Kontakt zum Vater ist nicht ohne Reibungen. Viel leicht ist es genau diese Erfahrung, die sie antreibt. „Ich bin ein neugieriger und engagierter Mensch. Ich brauche Menschen um mich herum und ich übernehme gern Verantwortung“, sagt sie.
Was die Zukunft bringt, weiß Svenja noch nicht genau. Sicher ist nur: Kommunikation spielt eine zentrale Rolle. Sie kann sich gut vorstellen, Kommunikationswissenschaften zu studieren, vielleicht sogar beim Radio zu arbeiten. Dass sie gehört wird und anderen eine Stimme gibt, ist längst Teil ihrer Identität geworden
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