Wie ein Dachdecker aus seiner Leidenschaft für Holzfiguren ein neues Familiengeschäft machte.
Der Gorilla wacht draußen über das Gelände, rund fünf Meter hoch ist die Figur aus Holz. Schon von der Straße aus zieht er die Aufmerksamkeit auf sich. Dahinter auf dem Hof steht ein riesiger Elefant, ebenfalls aus Holz, fast so groß wie ein echtes Tier. Wer hier zum ersten Mal entlangkommt, bleibt automatisch stehen. Es ist kein gewöhnlicher Handwerksbetrieb, der sich hinter dem Tor an der Karlstraße verbirgt.
Zwischen Holzfiguren und Tierköpfen führt der Weg Richtung Büro. Drinnen setzt sich fort, was draußen beginnt. Weiße Wände sucht man hier vergeblich, stattdessen riesige Bilder von Wildtieren, asiatische Figuren stehen neben Musterstücken aus dem Dachdeckerhandwerk. „Das bin ich“, sagt Richard Mamajek und schaut sich um. „Ich möchte mich hier wohlfühlen. So ein Büro kennt man normalerweise nicht.“
Richard Mamajek ist Dachdecker. Holz, Steine und Naturmaterialien hätten ihn schon immer fasziniert, sagt der Handwerker. Vielleicht wirkt deshalb alles auf seinem Gelände persönlich.
Inspiriert durch Reisen
Viele der Geschichten um seine Holzfiguren beginnen Tausende Kilometer entfernt, zum Beispiel in Indonesien oder in Indien. Richard Mamajek reist seit Jahrzehnten um die Welt. Wie viele Länder er mittlerweile gesehen hat, weiß er selbst nicht mehr genau. Auf seinen Reisen entdeckte er Werkstätten, Künstler und Märkte. Dort sah er zum ersten Mal die riesigen Holzfiguren, die dort aus massivem Suar-Holz entstehen. „Die Ideen kommen aus dem Leben“, sagt er.
Ein Tigerkopf, eine Medusa, sogar eine Statue von ihm selbst besitzt er, ein Geschenk von Freunden aus Indonesien. „Das ist reine Handarbeit“, sagt er. Die Figuren werden auseinandergebaut, in Container verladen und nach Rotterdam verschifft. Von dort holt der Dachdecker sie ab und setzt sie wieder zusammen.
sind die große Leidenschaft
von Richard Mamajek. Inspiriert
wurde der Handwerker von
seinen Reisen um die Welt.
Mehr als hundert Figuren stehen mittlerweile verteilt auf seinem Gelände. Manche klein genug für ein Wohnzimmer, andere so groß, dass sie schon aus der Ferne sichtbar sind. Der Gorilla draußen ist das größte Stück. Der Elefant gehört ebenfalls zu den beeindruckendsten Arbeiten. Eine mittelgroße Figur koste etwa tausend Euro, erklärt Mamajek. Der riesige Elefant dagegen rund viertausend. „Es wurden immer mehr“, erzählt er und lacht. Seine Frau habe irgendwann gefragt, wo er das alles eigentlich noch hinstellen wolle.
Neues Geschäftsmodell
Die entscheidende Idee kam schließlich von Schwiegersohn Tim. „Lass uns dein Hobby zum Beruf machen.“ Heute betreiben beide gemeinsam ein Geschäft in Selm. Während Richard Mamajek nach und nach den Dachdeckerbetrieb an seinen Sohn übergibt, entsteht parallel ein zweites Standbein, aufgebaut aus Holzfiguren, Reiseerinnerungen und jahrzehntelangen Kontakten.
Für Mamajek war früh klar, dass der Betrieb in Familienhand bleiben soll. Gleichzeitig wollte er Raum für etwas Neues schaffen. „Jetzt ist mein Hobby der Beruf“, sagt er.