Shoaiub Nazir ist seit einigen Wochen Bürgermeister von Oer-Erkenschwick. Im Interview sprach er über seine Ziele, Prioritäten und über Herausforderungen.
Herr Nazir, waren Sie über Ihren Wahlsieg überrascht?
Ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet. Im Wahlkampf war ich viel auf Social Media und vor Ort sichtbar, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Gleichzeitig bin ich in der Stadtgesellschaft kein Unbekannter. Seit ich 16 bin engagiere ich mich politisch, unter anderem war ich bereits im Kinder- und Jugendparlament aktiv. Viele Menschen kennen mich und haben mir Unterstützung zugesagt.
Was ist Ihr politischer Stil?
Mir sind Kommunikation und Transparenz besonders wichtig. Ich möchte mit den Menschen sprechen, nicht über sie. Die Erkenntnisse aus diesen Gesprächen sollen in Anträge einfließen, die wir dann im Rat einbringen, wie zuletzt beim Stadtpark oder der Westerbachstraße. Mein politischer Stil soll mehr Teilhabe ermöglichen. Ich habe immer betont: Ich bin kein Zauberer, aber ich kümmere mich.
Was bedeutet Ihnen das Amt persönlich?
Für mich ist es die größte Ehre, dieses Amt auszuüben. Ich möchte, dass die Menschen sich mitgenommen fühlen. Dazu brauche ich ein starkes Team im Rathaus, es geht nur gemeinsam.
Welche Themen möchten Sie als erstes angehen?
Wir haben viele große Projekte, die bereits laufen, die ich zu Ende bringen möchte. Gleichzeitig will ich den Blick aufs Ganze behalten. Eines der Kernthemen ist für mich die Innenstadt. Sie sollte das Herz der Stadt sein, aber das aktuelle Bild ist weit davon entfernt. Das Klemm-Dreieck beeinflusst das Stadtbild und schränkt uns in der Planung ein. Ich möchte aber nicht ewig auf den Berliner Investor warten. Ich löse mich von diesem Komplex und kümmere mich um die Probleme drumherum: Berliner Platz, untere Stimbergstraße. Mehr Grün, mehr Sitzgelegenheiten und mehr Sauberkeit.
Veranstaltungen sollen die Aufenthaltsqualität zudem steigern. Es müssen nicht die großen Dinge sein, kleine Maßnahmen haben oft große Wirkung. Veranstaltungen wie „OE schlemmt“ sind ein Alleinstellungsmerkmal. Wichtig ist mir auch die interkommunale Zusammenarbeit. Wir könnten Aktionen aus anderen Städten übernehmen wie etwa After-Work-Formate.
Und wie wollen Sie die Unternehmen und den Handel unterstützen?
Ich bekenne mich klar zum Standort, ich will Geschäftsleute unterstützen, die sich zu Oer-Erkenschwick bekennen und hier ihre Dienstleistungen anbieten. Es soll sich sichtbar etwas tun, um wieder mehr Menschen in die Innenstadt zu holen. Dafür müssen wir kreativ werden und mit Eigentümern ins Gespräch kommen. Ein Gedanke ist ein lokaler Showroom, um Firmen aus dem Gewerbe- und Industriegebiet sichtbarer zu machen.
Wie steht es um den Wohnraum in Oer-Erkenschwick?
Viele Menschen entscheiden sich bewusst für Oer-Erkenschwick, das ist gut. Aber wir brauchen bezahlbaren Wohnraum. Momentan haben wir viel hochwertigen Wohnraum und gleichzeitig viele Sozialwohnungen, dazwischen gibt es eine Lücke. Diese müssen wir schließen und prüfen, welche Möglichkeiten Land und Bund dafür bieten. Wir gehen Schritt für Schritt und schauen, was möglich und was umsetzbar ist.
Sie sprechen oft vom gesellschaftlichen Zusammenhalt. Was meinen Sie damit?
Oer-Erkenschwick kann stolz sein. Über viele Jahre hinweg wurde eine starke Struktur aufgebaut, in der unser Vereinsleben hervorragend funktioniert. Unsere Vereine sind wie große Familien – ein Beispiel für den besonderen Zusammenhalt in unserer Stadt.
Was wissen die Menschen noch nicht über Sie?
Eigentlich kennen mich die Menschen gut und wissen, wer ich bin. Ich bin geblieben, wie ich bin – ehrlich, bodenständig und ein Kümmerer. Jupp bleibt eben Jupp.