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Kein Sprint, sondern ein Marathon
Foto: Marco Stepniak

Kein Sprint, sondern ein Marathon

Lesedauer: ca. 2 Min. | Text: Jennifer von Glahn

Extreme Wetterereignisse stellen Städte zunehmend vor große Herausforderungen. Oer-Erkenschwick setzt deshalb auf konkrete Maßnahmen zur Klimaanpassung und beteiligt sich am Förderprogramm „Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft“ (KRiS).

Wir sprachen darüber mit Bürgermeister Shoaiub Nazir.

Warum ist es Ihnen wichtig, Klimaanpassungsmaßnahmen zu verfolgen?

Unser Ziel ist es, Oer-Erkenschwick zukunftssicher zu gestalten. Dafür müssen wir Stadtplanung und Immobilien an die veränderten klimatischen Bedingungen anpassen, etwa mit Blick auf Hitze, Starkregen und Trockenperioden. Klimaanpassung ist nicht nur eine ökologische, sondern auch eine soziale und wirtschaftliche Vorsorge. Als Bürgermeister möchte ich mit meinem Team eine Vorreiterrolle übernehmen. Dabei knüpfen wir an bestehende Erfolge an. Bereits seit den 1990er-Jahren engagiert sich die Stadt aktiv für Energieeinsparung und Klimaschutz.

Was sind die konkreten Zukunftspläne der Stadt?

Der Rat hat die Weichen für ein zentrales Klimaanpassungsprojekt für Oer-Erkenschwick gestellt: Ca. 89.000 m² versiegelte Flächen möchten wir bis 2033 in der Stadt abkoppeln. Ein Schwerpunkt liegt auf Regenrückhaltung und Versickerung. Dafür haben wir einen sogenannten Gestaltungsraum für das Förderprogramm „Klimaresiliente Region mit
internationaler Strahlkraft“ (KRiS) er arbeitet und bei den zuständigen Stellen zur Prüfung vorgelegt. Nach der Bewilligung können für ausgewählte Maßnahmen im Gestaltungsraum Fördermittel abgerufen werden.

Wie werden die Bürger einbezogen?

Klimaanpassung funktioniert dann gut, wenn sie gemeinsam gestaltet wird. Unsere Aufgabe ist es, zu informieren und zu beraten. Dafür arbeiten wir eng mit dem Lippeverband und der Zukunftsinitiative Klima.Werk zusammen, die das Förderprojekt KRiS in der Region umsetzt. Private und gewerbliche Immobilienbesitzer erhalten künftig eine Förderung, etwa für Gründächer, die Entsiegelung von Einfahrten oder z.B. Mulden im Garten. Dazu haben wir vor Kurzem eine Umfrage gestartet. Wir möchten wissen, welche Maßnahmen den Bürgern wichtig sind und welche Möglichkeiten sie bei ihren eigenen Immobilien sehen.

Viele Menschen empfinden Klimaanpassung an der eigenen Immobilie als kompliziert oder teuer. Was entgegnen Sie?

Ich verstehe den Eindruck – aber Klimaanpassung an der eigenen Immobilie muss muss weder kompliziert noch unbezahlbar sein. Viele wirksame Schritte sind ganz pragmatisch: Wasser sinnvoll ableiten, Flächen entsiegeln, begrünen, Rückhalt schaffen – oft geht das in Etappen und ohne „Großbaustelle“. Und ja: Für manches braucht man nicht sofort ein Fachunternehmen – Eigentümer können viel selbst vorbereiten und organisieren. Entscheidend ist nur: Gefördert werden die tatsächlich an fallenden, nachweisbaren Kosten – etwa für Material, Planung oder beauftragte Leistungen; die eigene Arbeitszeit wird nicht bezuschusst. Genau hier setzt KRiS an und hilft dabei, sinnvolle Maßnahmen finanziell abzufedern.

Von welchen Vorteilen profitieren Eigentümer?

Gebäude heizen sich weniger auf, Regenwasser wird besser zurückgehalten, Schäden durch Starkregen können abgemildert werden. Begrünte Dächer oder entsiegelte Flächen verbessern außerdem das Wohnumfeld sowie das Mikroklima. Und sie sparen Energiekosten und steigern den Werterhalt der Immobilie.

Was sind die nächsten Schritte?

Klimaanpassung ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Wir planen Veranstaltungen wie Ortsteilrundgänge und offene Dialogformate. Dort wollen wir verständlich informieren und vor allem miteinander ins Gespräch kommen.

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