Es sind die seltenen Augenblicke, in denen ein Hund ganz bei seinem Menschen ist, die Nadine Golomb mit ihrer Kamera sucht.
Nadine Golomb ist Tierfotografin und seit zwei Jahren selbstständig. Ursprünglich kommt sie aus der Gestaltung, ist gelernte Web- und Grafikdesignerin und hat viele Jahre kreativ gearbeitet. Was der Oer-Erkenschwickerin aber dabei zu kurz kam, war ihre Liebe zu Tieren. „Ich hatte über mehrere Jahre ein Pferd und schon immer eine Tieraffinität“, erzählt sie. Ihre eigenen Tiere fotografierte sie zunächst nebenbei. Dass sie genau darin ihre berufliche Stärke finden würde, war nicht geplant.
Denn anders als bei klassischen Aufträgen geht es bei der Tierfotografie nicht um Marken oder Produkte, sondern um Beziehungen. „Beim Webdesign sind es meist gewerbliche Kunden. Bei der Tierfotografie kommen die Menschen aus Liebe zum Tier. Sie wollen Erinnerungen schaffen.“
Diese Haltung prägt auch ihre Arbeitsweise. Golomb hält sich als Fotografin bewusst zurück, wird zur stillen Beobachterin. „Die Menschen sollen mich vergessen. Sie interagieren einfach mit ihrem Tier.“ Mit einem Teleobjektiv bleibt sie auf Distanz und greift nicht ein. „In dem Moment bin ich gar nicht da, ich bin unsichtbar.“ Gerade diese Unsichtbarkeit macht den Unterschied. „Hunde reagieren sensibel. Wer ihnen ein Handy direkt vor die Nase hält, verändert sofort die Situation. Der Hund sieht dann nur ein Plastikteil zwischen sich und seiner Bezugsperson.“ Nadine Golomb dagegen bleibt außen vor und schafft so Raum für echte Interaktion. „Der Hund ist glücklich, weil er Aufmerksamkeit bekommt. Und genau dann schaut er ganz anders.“
Bilder ohne Zwang
Was entsteht, sind Bilder ohne Zwang. Keine gestellten Szenen, keine strengen Posen. „Ich arbeite nicht mit Befehlen.“ Es sind spielerische Momente, die sie festhält. Ihre Kundinnen und Kunden teilen diesen Blick. Viele kommen von weiter her, aus dem Ruhrgebiet ebenso wie aus anderen Teilen Deutschlands, und verbinden das Shooting mit einem Ausflug. Was sie suchen, ist kein perfektes Instagram-Bild, sondern etwas Bleibendes. „Die machen das aus Liebe zum Tier.“
Dass ihr Unternehmen „Dackelherz“ heißt, ist dabei fast eine kleine Ironie. Denn erst über ein Fotoshooting bei einer Züchterin fand die 48-Jährige zum eigenen Hund. So wurde ihr Dackel namens Cap Teil ihres Lebens.
Heute fotografiert sie längst nicht nur diese Rasse. Hunde aller Art, manchmal auch Pferde, stehen bei ihr im Fokus. „Aber immer ohne zu stören“, sagt sie. „Manchmal ist es besser, einfach verschwunden zu sein.“